Altersvorsorgedepot 2027: So viel legt der Staat drauf
Ab dem 1. Januar 2027 gibt es eine neue geförderte Altersvorsorge: das Altersvorsorgedepot. Du sparst in ETFs oder Fonds, der Staat zahlt Zulagen dazu, und Steuern fallen erst im Alter an. Es löst die Riester-Rente für neue Verträge ab. Hier steht verständlich, wie es funktioniert, für wen es sich lohnt und wo die Haken sind.
Stand: Oktober 2026. Grundlage ist das Altersvorsorgereformgesetz (BGBl. 2026 I Nr. 156 vom 29. Mai 2026).
Wer bekommt die Förderung?
Gefördert werden alle, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind (also die meisten Angestellten und Azubis), außerdem Beamte, Richter, Soldaten und Landwirte. Neu ist: Auch Selbstständige und Freiberufler können mitmachen, wenn sie eine Steuererklärung abgeben und noch nicht 67 sind. Ehe- und Lebenspartner von Berechtigten sind mittelbar förderberechtigt, bekommen aber höchstens 175 € Grundzulage. Nicht gefördert werden zum Beispiel Minijobber, die sich von der Rentenversicherung befreit haben.
So rechnet sich die Zulage
Die Grundzulage hat zwei Stufen. Auf die ersten 360 € Eigenbeitrag im Jahr gibt es 50 %, auf alles darüber bis 1.800 € noch 25 %. Für jedes Kind, für das du Kindergeld bekommst, kommt dein Eigenbeitrag noch einmal obendrauf, bis zu 300 € je Kind. Wer zu Beginn des Beitragsjahres jünger als 25 ist, bekommt einmalig 200 € extra.
| Dein Beitrag | Zulage / Jahr | Förderquote |
|---|---|---|
| 10 € im Monat (120 €) | 60 € | 50 % |
| 30 € im Monat (360 €) | 180 € | 50 % |
| 50 € im Monat (600 €) | 240 € | 40 % |
| 150 € im Monat (1.800 €) | 540 € | 30 % |
| 30 € im Monat, 1 Kind | 480 € | 133 % |
| 30 € im Monat, 2 Kinder | 780 € | 217 % |
Du siehst: Gerade kleine Beiträge werden prozentual stark gefördert, bei Familien sogar mehr als verdoppelt. Wer mehr als 1.800 € im Jahr einzahlt (insgesamt sind bis 6.840 € möglich), bekommt auf den Rest keine Zulage, profitiert aber weiter von der steuerfreien Ansparphase.
Zusätzlich kannst du Beiträge und Zulagen bis 1.800 € plus Zulagen als Sonderausgaben in der Steuererklärung angeben. Das Finanzamt prüft, ob der Steuervorteil höher ist als die Zulage, und erstattet dann die Differenz (Günstigerprüfung). Das lohnt sich vor allem bei höherem Einkommen.
Mini-Rechner: Was bringt dir das Depot?
Vereinfachte Modellrechnung: Einzahlung ab Januar 2027, gleichbleibende Rendite, Zulagen werden jährlich gutgeschrieben, Auszahlungsplan bis 85 mit 3 % Rendite. Die Auszahlung ist vor Steuern angegeben und im Alter voll steuerpflichtig. Ohne Steuererstattung aus der Günstigerprüfung. Keine Anlage- oder Steuerberatung.
Standarddepot, Kosten und Anlage
Anbieter müssen ein einfaches Standarddepot anbieten. Dessen Effektivkosten sind auf höchstens 1,0 % pro Jahr gedeckelt. Alternativ kannst du selbst aus zertifizierten Fonds und ETFs wählen, bis zu zehn gleichzeitig. Einzelaktien, Kryptowährungen und Zertifikate sind nicht erlaubt. Eine Garantie auf deine Einzahlungen gibt es im Depot nicht, Kurse können also schwanken. Gerade bei langer Laufzeit sind niedrige Kosten wichtig: Ein halbes Prozent Unterschied pro Jahr kann über 30 Jahre leicht mehrere Tausend Euro ausmachen.
Auszahlung: frühestens mit 65
Das Geld ist für das Alter gebunden. Die Auszahlung beginnt zwischen 65 und 70, früher nur, wenn du bereits eine gesetzliche Altersrente beziehst. Du hast drei Wege:
- Auszahlungsplan: monatliche Raten, die mindestens bis zum 85. Lebensjahr reichen. Restkapital ist vererbbar.
- Lebenslange Rente: zahlt bis zum Lebensende, auf Wunsch mit 10 oder 20 Jahren Garantiezeit.
- Mischform: zum Beispiel Auszahlungsplan plus spätere Rente.
Zu Beginn darfst du bis zu 30 % des Kapitals auf einmal entnehmen, ohne die Förderung zu verlieren. Kündigst du vorher oder verwendest das Geld anders, musst du Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Das gilt auch für Erben, außer das Kapital geht auf einen Vertrag des Ehepartners über.
Steuern: später statt jetzt
In der Ansparphase fallen keine Steuern an, auch keine Vorabpauschale. Dafür sind die Auszahlungen aus dem geförderten Teil im Alter voll mit deinem persönlichen Steuersatz zu versteuern. Weil das Einkommen im Ruhestand meist niedriger ist, fällt der Satz oft geringer aus als heute. Für den ungeförderten Teil (Beiträge über 1.800 €) wird nur der Ertragsanteil besteuert. Gesetzlich Krankenversicherte in der KVdR zahlen auf die Auszahlungen keine Kranken- und Pflegebeiträge.
Und mein Riester-Vertrag?
Riester-Verträge, die bis Ende 2026 abgeschlossen wurden, laufen mit Bestandsschutz weiter. Du musst nichts tun. Du kannst aber in die neue Förderung wechseln oder dein Riester-Guthaben in ein Altersvorsorgedepot übertragen. Das ist nicht umkehrbar. Ist dein Vertrag jünger als fünf Jahre, darf der alte Anbieter bis zu 150 € verlangen, der neue Anbieter einmalig ebenfalls bis zu 150 € Verwaltungspauschale. Vergleiche vorher, was dein Vertrag garantiert und was er kostet.
Für wen lohnt es sich?
- Familien: Die Kinderzulage macht schon kleine Beiträge sehr attraktiv.
- Kleine und mittlere Einkommen: 50 % auf die ersten 360 € sind eine sichere Rendite, bevor die Börse überhaupt etwas tut.
- Junge Sparer: lange Laufzeit plus 200 € Bonus.
- Gutverdiener: vor allem über die Steuererstattung aus der Günstigerprüfung.
Weniger passend ist das Depot, wenn du flexibel an dein Geld kommen willst. Für Geld, das du vor 65 brauchen könntest, bleibt ein normales ETF-Depot die bessere Wahl. Viele kombinieren beides.
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Jetzt im Renten-Planer rechnenHäufige Fragen
Ab wann kann ich ein Altersvorsorgedepot eröffnen?
Ab dem 1. Januar 2027. Zulagen gibt es ab dem Beitragsjahr 2027. Viele Banken und Broker haben Angebote angekündigt, die Verträge müssen vom Bundeszentralamt für Steuern zertifiziert sein.
Kann ich zwei Verträge haben?
Ja, zwei Verträge gleichzeitig sind möglich. Die Förderung steigt dadurch aber nicht, sie bleibt auf 1.800 € Eigenbeitrag pro Person begrenzt.
Was passiert, wenn ich eine Zeit lang nicht einzahlen kann?
Du kannst Beiträge pausieren. Für Jahre mit weniger als 120 € Eigenbeitrag gibt es dann keine Zulage, das angesparte Geld bleibt aber angelegt.
Ist mein Geld garantiert?
Nein. Das Altersvorsorgedepot hat keine Beitragsgarantie. Einige Anbieter haben zusätzlich Produkte mit Garantie angekündigt, die meist weniger Ertragschancen bieten.
Was passiert im Todesfall?
In der Ansparphase und im Auszahlungsplan ist das Kapital vererbbar. Erben müssen aber Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen, außer das Geld geht auf einen Vertrag des Ehe- oder Lebenspartners über.
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Alle Angaben nach bestem Wissen, Stand Oktober 2026. Details können sich durch Verordnungen und Anbieterbedingungen noch ändern. Keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Alle Ratgeber